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Reisebericht Spanien 2012




Bob Marley


Unverhofft kommt oft! So könnte man auch diesen Trip nach Spanien umschreiben. Bob Marley war ein Zufallsfund im Internet, als ich mal wieder irgendetwas recherchieren wollte und auf diese Orga stieß. Viele nette Hunde, zum Teil Langzeitinsassen die unbedingt ein Zuhause brauchen und eigentlich nichts aufregendes, bis ich auf Marley stieß. Weitere Recherchen ergaben dann zwar, dass dieser Verein wirklich gute Arbeit macht und sehr bemüht ist, die Hundis gut und vor allem dauerhaft zu vermitteln, aber auch noch so ein gutes Tierheim wird den Anforderungen eines Bobtails nie gerecht werden können. Er ist eben anders, seine Fellpflege anspruchsvoll, Ohrenentzündungen bei unseren Notbobtails sind die Regel, ausschließlich verschmutzte Ohren eher selten und damit immer wieder ein ganz großes Problem. Die Behaarung eines Bobtails stellt nicht nur äußerlich einen erhöhten Pflegeaufwand dar, denn auch im inneren der Ohren wächst Fell, welches unbedingt von Zeit zu Zeit entfernt werden muss. Wenn der Gehörgang durch Haare verstopft ist  wird die Selbstreinigung eines Hundeohres vermindert und irgendwann ganz gestoppt, wodurch  Hefepilze und Bakterien die Oberhand gewinnen. Chronische Entzündung sind die Folgen, die nicht nur schmerzhaft sondern auch oftmals nur in einer OP unter Narkose, bei der der ganze äußere Gehörgang freigelegt werden muss, dem Tier die Schmerzen nehmen können, da diese Bakterien oftmals gegen Antibiotika resistent sind. Ebenso ist  seine Psyche in Ausnahmesituationen sehr labil, was Magen- und Darmprobleme verursacht. Nicht selten neigt der Bobtail dann bei bestehender Unsicherheit zu vermeintlich aggressivem Verhalten, was Ausdruck eines für ihn ungeheuren Stresses ist. Ein Old English Sheepdog hat sich bis heute nicht anpassen lassen und steht in spanischen Perreras immer wieder schnell auf der Tötungsliste, da bei hunderten von aufgenommenen Fellnasen ein knurrender oder vor Angst um sich schnappender großer  Hund sofort in Jenseits befördert wird. Diese traurige Erfahrung mussten wir leider schon ein paar Mal machen.

Im Fall Marley hatten wir diese Sorge gottlob nicht, allerdings war nach beschlossener Übernahme schnell klar, dass eine baldige Ausreise aufgrund der recht selten zur Verfügung stehenden Flugpaten wohl eher nicht zeitnah stattfinden würde und jeder weitere Tag belegt einen Platz, den vielleicht dringend eine Fellnase braucht, die sonst in einer der zahlreichen städtischen Perreras landet. Also beschlossen wir Flüge zu buchen und nach Spanien zu reisen, um Marley zu holen. Noch nie waren wir in Andalusien und natürlich sehr gespannt, was uns dort erwarten würde. Außer einer unerträglichen Hitze, die täglich um die 40 Grad lag und einer sehr kargen, staubigen Landschaft unterscheidet sich dieser Teil Spaniens wenig von dem Rest, wenn man von den Werbeplakaten für Stierkämpfe absieht, die uns überall verfolgten und die sich in diesem Teil Spaniens leider  offenbar noch großer Beliebtheit erfreuen.  Da ist auf jeden Fall noch jede Menge Handlungsbedarf, um diesem grausigen Spektakel ein Ende zu bereiten.

Am Dienstag waren wir dann mit Maite im Tierheim Ladridos Vagabundos verabredet und konnten Marley endlich kennenlernen. Nach einer schier endlosen Fahrt in glühender Hitze kamen wir im Tierheim an, welches ca. eine halbe Stunde von Granada oberhalb eines kleinen Ortes an einem Berg liegt. Trostlose Landschaft und freudlose Umgebung, unter der Hitze leidende Hundis und eine nicht weniger schwitzende Maite trafen wir an. Endlich konnten wir auch die vielen Geschenke und natürlich das gespendete Geld übergeben. Maite ist seit vielen Jahren dort sehr engagiert und Mitbegründerin des Tierschutzvereins, eben eine gute Seele, die jede Menge ehrenamtlicher Arbeit dort leistet und jede Woche 2 – 3 Mal die vielen Kilometer nach Malaga zum Flughafen fährt, um die adoptierten Fellnasen dort auf den Weg zu bringen. Sie erzählte uns auch, dass bei zwei Hunden dringend Operationen anstehen, die ca. 1.200 Euro kosten würden und damit jeder Euro natürlich mehr als willkommen ist. Sie hat sich riesig gefreut und wir waren natürlich froh und dankbar, dass wir Dank der lieben Spender einen doch recht großen Geldbetrag im Gepäck hatten. Eingestellt waren wir auf einen langen Tag, hatten die Absicht beim Reinigen der Zwinger zu helfen, mit den Hunden spazieren zu gehen und zu unterstützen. Leider konnten wir das nur sehr bedingt umsetzen, da bei einer gefühlten Außentemperatur von 50 Grad und staubiger Umgebung weder die Fellnasen Lust auf Spaziergänge hatten, noch wir in der Lage waren, uns mehr als notwendig zu bewegen. Der Rückzugsort der Helfer, gleichzeitig Aufbewahrungsort für Futter, Leinen, Näpfe etc.  besteht aus einer stickigen Hütte, einziger Luxus ein kleiner Kühlschrank und sicher kein Ort, um sich etwas erholen zu können. Die Helfer arbeiten alle unter widrigsten Umständen mit unglaublich persönlichem Einsatz. Da viel zu wenig Zwinger für viel zu viele heimatlose Fellnasen vorhanden sind, ist schon die Fütterung ein Problem. Also kommen Hundis erst Mal aus dem Zwinger, dieser wird gereinigt und anschließend darf jeweils ein Hund  dann mit seiner Futterration einen Moment alleine dort seine Mahlzeit zu sich nehmen. Umständlich und für mich ein sehr emotionaler Moment, weil die anderen natürlich davor stehen, warten und eigentlich nie richtig satt sind. Allerdings haben wir dort alle Fellnasen ziemlich relaxt angetroffen, sie fühlen sich sicher, kennen ihre Menschen dort und haben Vertrauen zu ihnen. Alle haben einen Namen und werden auch mit diesem angesprochen, freuen sich natürlich über jede Zuwendung und warten doch oft vergeblich auf ein eigenes Zuhause. Sie sind zwar sicher dort, vorausgesetzt, dass sich doch für die meisten liebe Adoptanten finden und mit der Schutzgebühr wenigstens ein Teil der notwendigen Kosten, die zum Erhalt eines solchen Tierheimes nötig sind,  gedeckt werden können, aber eine eigene Familie kann natürlich ein noch so gutes Tierheim nie ersetzen.

Wir danken Maite herzlich für den freundlichen Empfang im Tierheim, danken ihr und den vielen, vielen anderen sehr engagierten Menschen, die sich tagtäglich für die heimatlosen Tiere dort einsetzen.

 

„Du kannst nicht alle Hunde dieser Welt retten, aber für einen Hund die ganze Welt“!

Unter diesem Motto werden wir auch weiterhin unsere Tierschutzarbeit sehen. Momentan liegt Marley zu meinen Füssen und träumt. Seinen kleinen blauen Ball zwischen den Beinen, vielleicht das erste eigene Teil in seinem Leben?! Nachdem ich gestern seine Ohren gereinigt  und jede Menge Haare darin entfernt habe, waren wir heute beim Tierarzt, da auch Marley Antibiotikum braucht, um die entzündeten Ohren in den Griff zu bekommen. Wir freuen uns, dass er hier ist und werden nun für ihn in Ruhe nach einem Zuhause bei bobtailbegeisterten, pflegewilligen und vor allem rasseerprobten Menschen suchen.

Vielen lieben Dank an alle die es ermöglicht haben, dass wir unsere Übernahmekosten noch um den stattlichen Betrag von 540 Euro aufstocken  und jede Menge Sachspenden übergeben konnten.

Sigrid und Henning Hofmann

                                                                                                                   


    
       




 






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